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Chronik einer Canyoning-Ausbildung (Oberstufe) beim VDOS (Verein deutscher Outdoortrainer und Schluchtenführer) e.V:

Nachdem wir alle die Canyoning-Grundausbildung schon mitgemacht hatten, besaßen wir eine ungefähre Vorstellung, was uns in diesen 1 ½ Wochen erwarten würde.

Weiterhin haben wir aus vielen Erzählungen der letzten Oberstufenausbildung nicht unbedingt nur Gutes gehört.

So fanden wir uns alle am Sonntag den 17.09.2000 in Schneizelreuth ein.
Als erstes bekamen wir von Georg unseren Stundenplan. Wie vermutet hatten wir kaum Zeit um Luft zu holen.

Danach erfolgte die Einteilung der Referate:
Sandra - Hibler Wärmepackung
Alex - Schock
Utz - Wetter
Udo - Knochenbrüche
Tina - Unterkühlung
Jetzt wußten wir alle, was wir in unseren reichhaltigen Freizeit, die wir in dieser Woche haben, tun würden.

Wir beschlossen nicht zu spät ins Bett zugehen, um wenigstens am ersten Tag einigermaßen fit zu sein.

Montag, 18.09.2000

7.00 Uhr aufstehen (Sandra 7:30 Uhr).
Frühstück machen, Utz kommt mit Semmel (man gönnt sich ja sonst nichts).
Nach dem Frühstück geht es ab in die Neoprens und anstatt in einen Canyon zu gehen schmeißen wir die Canadier auf den Hänger und machen uns auf den Weg nach Lofer (Wildwasser paddeln - haben wir gar nicht gebucht ??).

Georg macht uns klar, daß man die Gewalt des Wassers am besten im Auer-Loch zu spüren bekommt. Also rein in die Boote und flußabwärts. Nach dem Auer-Loch haben wir schon die ersten leichten Probleme ins Kehrwasser zu kommen. Wir erhalten eine Einweisung in die Green-Line, Pur-Over, Kehrwasser, Prallpolster und Pilz - Strudel sind uns jetzt auch ein Begriff.

Und dann kommt es richtig dicke! Georg springt voraus und schwimmt durchs Auer-Loch auf einen Stein mitten in der Saalach und schreit mit leicht verschmitztem Lächeln, "und jetzt ihr". Etwas verunsichert macht Alex einen großen Satz ins Wasser und kommt auch heile drüben an, davon ermutigt wagen wir uns alle.
Nachdem wir mehr oder weniger erschöpft alle auf dem rutschigen Stein stehen, springt Georg schon wieder voraus ans andere Ufer. Wir folgen ihm natürlich. Dieses Spiel machen wir so ca. 3 mal. Wir schaffen es alle ungefähr an der Stelle raus zu kommen, an die wir sollen.

Wir versammeln uns nun wieder alle auf dem Stein in mitten der Saalach.
Jetzt erfolgt die Rettung mit dem Wurfsack. Hierbei verfolgt Sandra eine sehr gute Technik als Sie Alex retten soll. Sie läßt beim Strammziehen des Seils selbiges erst mal los. Alex treibt darauf hin in Richtung Schneizlreuth. Wir wollen ihr das Leben etwas leichter machen und sie soll versuchen Tina zu retten. Leider vergißt sie vor dem Werfen den Wurfsack aufzumachen..., also treibe ich mit Alex Richtung Heimat.

Nach mehreren Versuchen hat es dann jeder ein- bis zweimal geschafft eine Person zu bergen. Wir steigen wieder in unsere Canadier und fahren weiter.

Damit wir die Kraft noch ein bißchen zu spüren bekommen springen wir noch von einigen anderen Stellen ins Wasser. Wir hatten Glück, daß soviel Wasser war, denn ansonsten hätten wir auch noch durch den Unkener-Brückenschwall schwimmen "dürfen".

Wir kommen zum "Mittagessen" ca. 15.00 Uhr nach Hause.

Wieder trocken gelegt machen wir uns auf den Weg in Richtung Klettergarten.
Dort wiederholen wir nochmal die altbekannten Techniken wie aktiv und passiv Ablassen mit zusätzlicher Sicherung (Seilkappmethode), lose Rolle und das Händling mit ängstlichen Gästen. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit treffen wir wieder im Bauernhof ein. Jetzt heißt es Abendessen kochen, aufräumen, Referate vorbereiten und lernen.

Dienstag 19.09.2000

Frühstück um 7.00 Uhr.

Heute steht die eine Aktion "Tarnen und Täuschen" auf dem Programm. Wir bewegen uns am Rande der Legalität und brechen auf zu unserem Canyon. Dort ankommen machen wir vorerst eine Übung zur Orientierung mit Karte und Kompaß, wir müssen eine ganz bestimmte Bergkuppe auf der Karte zeigen. Leider deutet keiner auf Anhieb auf den richtigen Buckel und Georg kündigt uns eine Menge folgende Übungen an. Wir betrachten uns gerade die wirklich wunderschöne Gegend am Schwarzbach, auf einmal liegt eine blaue Seilpuppe vor mir - Udo, Utz und Sandra haben sich verletzt.

"Gamminger bauen, du hast 4 Minuten, die Zeit läuft - na dann aber schnell!"
Wir geben uns alle Mühe doch die 4 Minuten schafft keiner so richtig, also ist auch da noch Übunen angesagt, denn in der praktischen Prüfung muß das Ding in 4 Minuten sitzt - "aufgesattelt" versteht sich.

Dann begeben wir uns endlich wieder ins Wasser, die genaue Gradzahl ist mir zwar nicht geläufig, aber es ist ziemlich kalt. Wir versuchen so wenig wie möglich zu murren. Wir sollen auf eigene Verantwortung die Gumpen erkundschaften.
Können wir springen oder rutschen? An Hand der Strömung und Färbung des Wasser oder durch langsames Vortasten sollen wir die Tiefe der Gumpen herrausfinden.

So gehen wir weiter bis zur nächsten großen Brücke.
Jetzt haben wir 2 Möglichkeiten, aussteigen oder noch weiter runter. Bei uns herrscht Schweigen im Walde, denn so richtig sicher ist sich keiner, ob und was wir sagen sollen. Georg entscheidet sich für den Ausstieg. So haben wir noch die Möglichkeit nach dem Mittagessen in den Klettergarten zu gehen.
Dort lernen wir den "schweizer Flaschenzug" und die "Einmann-Bergetechnik".
Georg hängt sich mitten in die Wand um uns besser zu beobachten, als wir alle durch sind teilt er uns mit, daß er sich jetzt gerade verletzt hat und bitte von oben gerettet werden will.
Wir haben nur das Problem, daß es langsam dunkel wird. Wir bauen auf und lassen Udo zu ihm runter. Unseren zurechtgelegten Plan findet er nicht gut und wir brechen wegen Dunkelheit die Sache ab. Nach dem Abendessen folgt noch Theorie und ein Referat über die "Hibler Wärempackung" und natürlich - lernen.

Mittwoch 20.09.2000

Frühstück 7.00 Uhr.

Wir fahren mit dem Auto zum nächsten Canyon. Wir wollen uns heute die Rutschen dort genau anschauen, danach erfolgt die Rettung eines Verletzten nach der ersten Rutsche. Natürlich hat sich Georg wieder weh getan, und wir bergen ihn mit einem Wurfsack der sich bei Belastung auf den Durchmesser eines Bleistiftes verkleinert.

Danach erfolgen noch mehrere Rettungen schwimmender Personen vom Ufer aus und die Bergung mit angehängtem Retter. Dabei möchte ich die Qualität der Camaro Schwimmwesten loben, denn beim ersten Versuch hat sich der hintere Ring von Udo´s Schwimmwest erst mal verabschiedet.

Am Nachmittag erfolgt Theorie und Praxis im Punkto Schienenbau und Tragenbau. Danach gehen wir noch in den Klettergarten und Proben den Ernstfall.
Georg verabschiedet sich und gibt über Funk einen Hilferuf durch.
Wir müssen ihn finden und mittels Einman-Bergetechnik und Flaschenzug aus seiner verzwickten Situation retten.

Nach dem Abendessen noch ein Referat über Unterkühlung und - lernen.
Wir beschließen einstimmig, daß wir Georg auf keine Tour mehr mitnehmen, denn er verletzt sich eh ständig und muß gerettet werden.

Donnerstag 21.09.2000

Heute werden wir uns wundern, denn wir gehen ins Wunderland.

Wir nehmen den oberen Einsteig.

Uns macht alle ein bißchen nervös, daß Georg ständig nach unten schaut. Wie steil das Gelände ist. Wir machen uns schon Gedanken, was auf uns zukommen wird. Auch heute sollen wir wieder erkennen, wie tief einige Gumpen sind und ob sie zum rein springen geeignet sind.

Wir kommen gut voran, und sind in Rekordzeit wieder am Ausstieg und das Ganze ohne große Rettungsaktion - Schwein gehabt!

Am Abend hält Utz eine Referat über Wetter und Wetterentstehung.
Nehmen Georg wieder mit, denn er hat sich heute gut gehalten.

Freitag 22.09.2000

Frühstück 7.00 Uhr.
Heute wieder "Tarnen und Täuschen".

Wir ziehen über unsere Neoprens Regenkleidung an und fahren wieder in ein anderes Gebiet. Georg hat einen Bach auf der Karte entdeckt, den er sich gerne anschauen möchte. Er ist sich aber noch nicht ganz sicher ob er mit uns in den berüchtigten Canyon "Fred" gehen soll.

Ihm ist die Harmonie in unserer Gruppe zu groß, denn wir haben noch nicht einmal gestritten. Wir entscheiden uns aber dann doch dazu in den neuen Canyon zu gehen, nach ca. 3 Stunden Aufstieg sind wir dann endlich am Einstieg und der erste Eindruck ist dann doch eher enttäuschend. Nach einer Pause machen wir uns wieder auf den Weg Richtung Flußabwärts.

An kleinerem Absätzen lernen wir das Dülfern (die waren früher echt anders drauf), und dann folgt doch noch die große Überraschung. Erst 2 bis 3 ca. 30 Meter lange Abseilpisten und dann der richtige Knaller mit 50 Metern.

Jetzt bietet sich für uns nur ein Problem wir haben 4 Seile mit á 30 Metern.
Wir verbinden die 4 Seile und befestigen sie so an einem Fixpunkt, daß man sie später noch abziehen kann. Georg geht voraus und versucht einen geeigneten Umhängepunkt zu finden, es ist gar nicht so leicht, sich mitten im Wasserfall aus dem einen Seil auszubinden und in das nächste Seil nach dem Knoten wieder einzubinden. Vor allem mit nur einem Achter. Es dauert zwar eine ganze Zeit, aber wir schaffen es alle heile runter zu kommen.

Gott sei Dank können wir uns alle vor der Fakelwanderung drücken und kommen einigermaßen früh ins Bett.

Montag 25.09.2000

Frühstück 7.00 Uhr.
Heute erfolgt intensives Training in allen Bereichen in Theorie und Praxis.

Dienstag 26.09.2000
Frühstück 7.00 Uhr.

PRÜFUNG! Erst folgt der schriftliche Teil:
Wie sind Seile zu trocknen und zu lagern?
Welche Infos muß eine Unfallmeldung enthalten?
Was ist ein Prallhang?
Wie ist der Spezialbegriff für Höhenlinien?
Was ist eine Unterkühlung?
Und so weiter und so weiter....

Haben wir das wirklich alles gelernt - keine Ahnung!
Wir quälen uns durch 53 Fragen und essen dann zu Mittag.

Danach geht es ab in den Klettergarten.

Georg hat sein "Prüfungsgesicht" auf und man weiß nicht so recht was jetzt auf einen zukommt.
Einzeln werden wir zu den verschiedenen Übungen über Funk gerufen, und ich kann nur sagen leicht war es nicht.

Wir machen uns auf den Weg zum Auto, verunsichert was noch kommen wird, denn es ist noch HELL.
Dort angekommen müssen wir noch alle unseren Gramminger in 4 Minuten schaffen. Sandra schafft es als einzige auf Anhieb! Sie weis aber danach nicht mehr, wie sie das geschafft hat. Wir andern folgen ihr im zweiten Anlauf.

Zuhause angekommen wird dann jeder wieder einzeln ins Gespräch gerufen. Alex und Utz müssen noch eine kleine Nachprüfung ablegen, der Rest hat bestanden - den praktischen Teil.
Georg erbarmt sich am Abend die Theorie zu korrigieren - alle bestanden!
Alex und Utz legen am nächsten Tag ihre Nachprüfung ab.

Der VDOS ist um 5 Canyoning-Guides-Oberstufe reicher !!

Tina Kauntz, April 2001

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